Losgehen trotz Angst: So findest du den Mut, ins Handeln zu kommen
Manchmal fällt es uns schwer, eine Entscheidung zu treffen. Und manchmal ist die Entscheidung an sich gar nicht das Problem oder wir haben sie nach langem Überlegen und Abwägen endlich getroffen. Wie auch immer: Wir wissen, was wir wollen und machen möchten. Umziehen, den Job wechseln, verreisen, die Haare bunt färben. Und es passiert: nichts. Warum fällt uns das Losgehen manchmal so schwer, obwohl wir genau wissen, was wir wollen? Und wie kommen wir da raus, sprich: Wie kommen wir ins Handeln?
Warum du trotz einer klaren Entscheidung nicht ins Handeln kommst
Du hast eine Entscheidung getroffen, aber kommst nicht ins Handeln. Statt Gewissheit oder Erleichterung ist da plötzlich Zweifel, Grübeln, Aufschieben. Nicht immer ist die Entscheidung der schwierigste Teil. Manchmal ist es das, was danach kommt. Denn zwischen Entscheidung und Handlung liegt oft eine unsichtbare Hürde. Diese Hürde hat unterschiedliche Namen: Angst, Unsicherheit, Kontrollverlust. Und diese Hürde lähmt uns – im Kopf und im praktischen Handeln.
Die Entscheidung war der Kopf – das Losgehen ist das Herz
Wie wir Entscheidungen treffen, ist typ- und situationsabhängig. Optionen vergleichen, analysieren, Bauchgefühl – die Gemeinsamkeit aber ist, dass eine getroffene Entscheidung theoretisch ist, solange wir dann nicht entsprechend handeln. Handlungen machen Konsequenzen real, Dinge können tatsächlich passieren – gute, aber auch alles Negative, was wir uns im Kopf ausmalen.
- Selbstständigkeit → finanzielle Unsicherheit
- Alleine reisen → Einsamkeit aushalten
- Umzug → vertrautes Umfeld verlassen und Menschen vermissen
Warum unser Gehirn Sicherheit liebt
Unser Gehirn liebt Routinen und Vorhersagbarkeit. Veränderung bedeutet Unsicherheit. Bei Unsicherheit signalisiert unser Gehirn: Gefahr! Unser Gehirn würde lieber in einer Situation bleiben, die uns eigentlich nicht gut tut oder sogar unglücklich macht. Denn irgendwie funktioniert es ja, warum also das Gewohnte verlassen? Deshalb fühlt sich Losgehen und Veränderung häufig falsch an, obwohl es richtig ist.
Mut bedeutet nicht, keine Angst zu haben
Es ist nicht so, dass mutige Menschen, die für ihre Träume losgehen, keine Angst haben. Auch mutige Menschen haben Angst. Aber sie gehen trotzdem. Das ist der Unterschied.
Angst ist kein Zeichen dafür, dass etwas falsch ist oder dass du es nicht kannst.
Angst ist oft ein Zeichen dafür, dass etwas wichtig ist.
Mut bedeutet nicht, bereit zu sein.
Mut bedeutet, trotz Angst loszugehen und Unsicherheit auszuhalten.
Wie ich gelernt habe, trotz Unsicherheit loszugehen
Die Entscheidung, nach Gran Canaria auszuwandern, war sicher eine der größten Entscheidungen meines Lebens, wenn nicht sogar die größte. Es fühlte sich verrückt und unwirklich an, positiv wie negativ. Positiv, weil es sich so gut und richtig anfühlte. Negativ, weil es beängstigend und mit sehr viel Unsicherheit behaftet war. Ich war im Umbruch von der Teilzeit-Selbstständigen zurück in die Vollzeit-Selbstständigkeit. Während ich noch nicht wusste, ob und wie gut das klappt, habe ich einen Mietvertrag mit einem Jahr Mindestmietzeit unterschrieben, ohne zu wissen, ob ich mir das langfristig überhaupt leisten kann.
Ich hatte damals oft den Gedanken „es muss klappen!“ Dieser Gedanke hat mich irgendwie getragen und mir Zuversicht und Tatendrang gegeben. Denn die Alternative wäre gewesen, zurück nach Deutschland, wohin auch immer, einen Job suchen. Den hätte ich sicher auch gefunden, wenn ich keinen Wert auf Remote-Arbeit gelegt hätte. Aber allein der Gedanke daran, zeitlich und vor allem örtlich nicht mehr flexibel zu sein, hat mich unglücklich gemacht und mir Unbehagen im Bauch bereitet. Kein Job der Welt, egal wie toll die Kolleg*innen oder die Arbeit an sich gewesen wären, hätte das ausgleichen können. Deshalb: Es muss klappen!
Ich hatte grob kalkuliert, dass ich dieses eine Jahr im schlimmsten Fall mit null Einkommen (was sehr unwahrscheinlich war) überstehen könnte. Und dann hätte ich immer noch zurückkehren können. Dann hätte ich es wenigstens versucht und müsste mich nicht für immer fragen: Was wäre wenn? Und jetzt, gut 1,5 Jahre später, sitze ich hier in meiner Wohnung in Las Palmas und schreibe diesen Artikel. Und bin so glücklich und stolz auf mich für diese mutige und beste Entscheidung, die ich treffen konnte.
Mein Ansatz
- Es muss klappen! → gibt Halt
- Was kann ich tun, damit es klappt? → gibt Selbstvertrauen, macht handlungsfähig: aktives Tun anstatt passives Warten und Hoffen
- Fokus auf das Beeinflussbare: Vorbereitung, Recherche, Lernen, konkrete Schritte
- Kleine Schritte statt großer Plan: Natürlich hast du dein Ziel vor Augen. Aber ein großes, scheinbar weit entferntes Ziel wirkt schnell überwältigend und unerreichbar, wenn du nur dieses vor Augen hast. Breche es stattdessen in einzelne kleine Schritte herunter: Was brauchst du, was musst du konkret machen, um dein Ziel zu erreichen? In welcher Reihenfolge? Teile es in Kategorien ein und diese in einzelne aufeinander aufbauende Schritte. Dann gehe Schritt für Schritt.
Warum Vertrauen oft erst unterwegs entsteht
Viele warten nach getroffener Entscheidung auf Gewissheit, Sicherheit, Vertrauen, Mut. Auf die Abwesenheit von Angst oder Unsicherheit. Das Problem: Das kommt oft nicht vorher, indem man wartet. Gerade bei großen Veränderungen, bei neuen Dingen, die man noch nie gemacht hat. Es entsteht unterwegs. Wenn wir trotz Unsicherheit und Angst losgehen. Und da sind wir wieder beim Mut.
Versuche, die Gedanken einmal umzudrehen:
Ich muss nicht zuerst Vertrauen entwickeln, bevor ich handeln kann.
Ich handle und entwickle dadurch Vertrauen.
Jeder gegangene Schritt liefert dir Beweise: Ich kann das.
Vom Grübeln ins Handeln: 4 Fragen, die dir helfen können
- Was ist der (nächste) kleinste Schritt, den ich heute gehen kann?
- Was kann ich beeinflussen – und was nicht?
- Was würde ich tun, wenn ich mir vertrauen würde?
- Was ist das Schlimmste, was passieren kann? (Bonus: Wie wahrscheinlich ist es, dass das eintritt, und was kann ich dann machen?)
Nimm dir am besten ein paar Minuten Zeit und schreibe deine Antworten auf Papier. Oder in die Notiz-App deines Handys. Und wenn du auf deinem Weg mal wieder zweifelst: Lies dir deine Antworten durch.
Losgehen trotz Angst: Du musst dich nicht bereit fühlen
Angst verschwindet nicht immer.
Zweifel verschwinden nicht immer.
Sicherheit kommt oft nicht vorher.
Aber:
Du kannst trotzdem gehen.
Du kannst trotzdem anfangen.
Du kannst trotzdem vertrauen.
Vielleicht ist Mut nicht die Abwesenheit von Angst.
Vielleicht ist Mut die Entscheidung, den ersten Schritt trotzdem zu gehen.



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