Marina am Mirador Jaco (Costa Rica), Erfahrungsbericht übers Soloreisen

Alleine reisen 2.0: Emotionen, Erkenntnisse und, äh, Heimweh?

Hola und Pura Vida aus Costa Rica! Nein, das ist nicht (erst) meine zweite Reise alleine und bereits die vierte nach Costa Rica. 2.0, weil dieses Mal etwas anders ist. Oder vieles. Oder nur vorübergehend, diesen Artikel habe ich zwischen Woche 1,5 bis 3 der fünfwöchigen Reise geschrieben. Auf jeden Fall kann ich schon einiges dazu, was man beim alleine Reisen suchen und finden kann, hinzufügen. Vielleicht braucht es für einiges davon keine fünfwöchige Reise nach Mittelamerika und anderen reicht dafür ein freies Wochenende auf dem Land. Dennoch findest du hier das Ergebnis (und der hoffentlich erfolgreiche Versuch, dies geordnet und verständlich wiederzugeben) meines knapp einwöchigen Prozesses, den ich auch „ins Grüne starren und zu versuchen, meine Emotionen und Gedanken zu verstehen“ genannt habe. 😄

Meine früheren Soloreisen haben mir letztlich gezeigt, was ich vom Leben (nicht) möchte, wo und wie ich (nicht) leben möchte. Was mir meine erste größere Reise „danach“ gezeigt hat, weiß ich noch nicht final. Sicher aber, dass sie wunderschön und nötig war und ich voller Dankbarkeit bin.

Dies ist eher ein Erfahrungsbericht als ein neutraler Artikel zum Thema alleine reisen. Wenn du trotzdem etwas für dich daraus mitnehmen kannst oder einfach Freude beim Lesen hast, bin ich schon happy. Und weiter unten findest du noch einige allgemeine Tipps zum Thema Verstehen von und Umgang mit Emotionen (nicht nur) beim Soloreisen.

Was ist bei dieser Soloreise anders und warum schon wieder Costa Rica?

Dies ist meine erste Reise seit meinem Umzug nach Spanien. Das ist wohl der größte Unterschied. Es ist tatsächlich meine vierte Reise nach Costa Rica und insgesamt habe ich fast ein Jahr hier verbracht. Aus verschiedenen Gründen ist das letzte Mal drei Jahre her, aber jetzt ist es endlich wieder so weit.

Offensichtlich zieht es mich immer wieder in dieses kleine, tropische Paradies. Ich liebe das Land, die Natur, die Tiere und die Menschen. Alles übt eine ganz besondere Anziehung auf mich aus. Und Costa Rica war in verschiedener Hinsicht wichtig und prägend für meinen Weg. Andere Länder Lateinamerikas stehen definitiv auf meiner Reise-Bucket-List. Aber noch ruft mich dieses Land. Gerade jetzt, aus meinem neuen Leben, musste ich noch einmal hierher zurückkehren. Vielleicht brauchte ich es als Abschluss. Vielleicht bin ich auch nächstes Jahr wieder hier. Wer weiß. Ich muss es jetzt noch nicht wissen.

Weil dieses Land klein ist und ich es so gut kenne, reise ich auch anders: vor allem langsamer. Ich kann hier einfach sein und genießen, dass ich hier bin. Kein Hetzen von einer Aktivität zur nächsten, um ja nichts zu verpassen. Wobei ich noch nicht genau weiß, ob es daran liegt, dass sich hier (fast) alles bekannt und nach Zuhause anfühlt oder daran, dass sich mein Reisen über die Jahre generell verändert hat.

Ein ungeplantes Dschungelretreat oder so ähnlich

Die äußeren Umstände zwangen mich jedoch gleich zu Anfang dazu, noch viel langsamer zu machen. Wärme und tropisches Klima kann ich gut handeln im Gegensatz zu Kälte. Die ersten 1,5 Wochen am Pazifik waren aber deutlich heißer als gewöhnlich. Tagsüber konnte man keine 5 Minuten laufen, ohne buchstäblich zu zerfließen, und auch nachts kühlte es kaum ab. Lange Wanderungen etc. fielen also aus.

Ich war in Puerto Jiménez und hatte eine der schönsten Unterkünfte, die man sich vorstellen kann: einfache Zimmer umgeben von Dschungel und unendlich vielen Tieren. Man konnte einfach nur stundenlang dasitzen und schauen und zuhören. Außer einer Abkühlung im Meer blieb auch nicht viel anderes übrig.

Blick von der Terrasse meiner Unterkunft in Puerto Jiménez auf der Osa Peninsula in Costa Rica.
Der Garten der Unterkunft 💚

Es war wunderschön. Ich wachte um 5 Uhr morgens ohne Wecker auf und schaut mir mit meinem Kaffee in der Hand den Sonnenaufgang und das Erwachen der Natur an. Und es war auch ein krasser Cut von meinem Leben der letzten Monate: Von 100 auf Null, von Aktion auf Ruhe, von laut zu leise.

Meine letzten Monate waren sehr intensiv, im positiven Sinne. Es ist viel passiert. Lange kein Urlaub. Noch länger keine Zeit mehr nur mit mir und ohne To-dos. Und auf einmal: Ruhe und Stille. Körper und Geist kommen fahren runter. Tage fühlen sich unendlich lang an. Wodurch auch gleich zu Anfang innerlich ganz viel passierte, womit ich so nicht gerechnet hatte.

Gedanken und Emotionen beim alleine reisen

Viel Zeit und keine Ablenkung. Etwas, mit dem ich nicht so gut umgehen kann, es aber trotzdem ausgehalten habe. Auf einmal kamen viele Gedanken und Emotionen hoch, die ich zunächst nicht verstehen und einordnen konnte. Ebenso wenig, warum es mir teilweise gar nicht so gut ging, obwohl ich glücklich war, endlich wieder hier zu sein. Da muss es einem doch gut gehen?!

Welcome to „ins Grüne starren und versuchen, die eigenen Emotionen und Gedanken zu verstehen.“

Heimweh beim alleine reisen

Eines der vielen Gefühle, die hochkamen, war hin und wieder tatsächlich Heimweh. Für viele bestimmt normal, aber für mich ist es ein Gefühl, dass ich eigentlich nicht kannte. Wirklich. Bisher kannte ich nur Fernweh. Den starken Drang, mein früheres „Zuhause“ in Deutschland so oft wie möglich zu verlassen, kombiniert mit dem deprimierenden Gefühl, wenn sich eine Reise dem Ende neigte.

Wow, ich habe mir also tatsächlich ein Zuhause und ein Leben erschaffen, das ich liebe und in das ich gerne zurückkehre. Das wusste ich auch schon vorher, aber dies war noch mal ein starker Beweis.

Das passt auch zu meinen Gedanken kurz vor der Abreise: Früher konnte ich es kaum abwarten und habe die Tage gezählt. Dieses Mal dachte ich öfter, ich fühle es gerade gar nicht, bald in Costa Rica zu sein, es ist doch alles gerade so schön hier.

…und dann kam Puerto Viejo

Puerto Viejo de Talamanca, der süße, kleine Ort an der Karibikküste, war immer mein Lieblingsort. Hier habe ich Monate verbracht und im Prinzip hier gelebt. Hier fühlte es sich immer besonders nach Zuhause und für immer bleiben an. Hier verbringe ich 3 weitere Wochen und arbeite remote, bevor ich wieder nach Hause reise.

Als ich hier vorgestern aus dem Bus stieg, überrollte es mich innerlich sofort: Heimweh? Noch nie gehört. Fühlt sich an, wie gestern erst abgereist. Lieblingsbar hier, Lieblingsrestaurant da, alles ohne Google Maps finden (meine Orientierung ist wirklich nicht die beste), dieser spezielle Vibe. Direkt mal wieder mein gesamtes Leben hinterfragt, alles klar, dann muss ich wohl hier bleiben.

Alles verstärkt durch eine 13-Stunden-Busfahrt quer durchs Land (was habe ich mir bei der Planung gedacht?), Stress, Müdigkeit, Hunger. Essen oder Toilette unterwegs? Überbewertet.

Von hier schreibe ich dir jetzt auch gerade, 2 Tage später, ausgeschlafen und mit vernünftiger Nahrung im Körper. Keine Ahnung, wie sich die nächsten 3 Wochen entwickeln, aber ich denke, ich kann das alles gut integrieren und freue mich auch wieder auf Gran Canaria. Irgendwo war diese Reise als Abschluss des Costa-Rica-Kapitels gedacht. Wird es das wirklich? Ich weiß es noch nicht. Muss ich auch nicht.

Puerto Viejo de Talamanca in Costa Rica
Puerto Viejo: ein paar Eindrücke von dort, wo es sich für mich (auch) nach Zuhause anfühlt.

Mit Emotionen umgehen und sie verstehen: praktische Tipps und Möglichkeiten

Es kamen also unerwartet und überraschend viele Emotionen hoch. Ich war melancholisch im positiven Sinne, aber vieles fühlte sich auch weder gut noch angenehm an und war teilweise schwer auszuhalten. Dennoch wusste ich von Anfang an, dass das gerade notwendig ist. Obwohl meine Gedanken konfus und unkonkret waren, ich sie gar nicht greifen konnte, geschweige denn, was sie mir sagen wollen. Also blieb nur aushalten und auf Eingebung warten, in der Situation selbst leichter gesagt als getan.

Geduld ist nicht meine größte Stärke, aber letztlich hat es sich gelohnt. Folgende Sachen habe ich in den Tagen gemacht, um einerseits mit den Emotionen umzugehen und sie andererseits zu verstehen:

  • einfach dasitzen und in die Natur schauen aka das schön erwähnte „ins Grüne starren und versuchen, sich selbst zu verstehen“ 😄
  • (ich nenne sie) magic mornings: mit dem Kaffee auf der Terrasse der Natur beim Aufwachen zuschauen und zuhören, insbesondere den Vögeln und den Brüllaffen
  • Spazieren gehen
  • Musik hören
  • Sonnenuntergänge am Strand, weil sie für mich nie langweilig werden
  • Journalen oder einfach: alles, was dir in den Kopf kommt, ungefiltert und unsortiert aufschreiben. Das hat mir letztlich viel Erkenntnis und Ordnung in den Kopf gebracht. Das Ergebnis liest du hier.
  • Sport oder jede Bewegung, die dir gut tut. Ich habe plötzlich nach sehr, sehr langer Zeit ohne zu überlegen, wieder mit kurzen Yogaeinheiten angefangen.
So sieht der Ausblick meiner magic mornings in Costa Rica momentan aus. Auch wenn das zu Hause ein wenig anders wird, nehme ich mir diese Morgenmomente mit. Und vergesse nicht, dass ich immer noch da wohne, wo andere Urlaub machen. 😉

Was wir daraus für den Alltag mitnehmen können

Meine vorläufigen Erkenntnisse klingen erst mal eher banal und wenig bahnbrechend. Aber manchmal brauchen wir kleine Erinnerungen. Meine magic mornings bestehend aus Terrasse, Tageslicht, Kaffee und Yoga möchte und werde ich mit nach Hause nehmen. Auch wenn ich zu Hause nicht vom Balkon in die Natur blicke. Auch wenn ich zu Hause evtl. nicht mehr um 5 Uhr ohne Wecker aufwache.

Die 3 Wochen in Puerto Viejo sind dabei für mich eine Übergangs- und Übungsphase für diese neue Routine. Nicht mehr im Urlaub, aber trotzdem noch auf Reisen. Die erste Woche lief ziemlich gut.

Was die Wissenschaft und eigentlich wir alle schon lange wissen, durfte ich die letzten Wochen körperlich erleben: Tageslicht und Bewegung direkt nach dem Aufstehen macht wach und gibt Energie – den ganzen Tag. Seit geraumer Zeit saß ich kurz nach dem Aufwachen bereits am Computer. Mit Kaffee in der Hand und noch nicht mal richtig wach. Dauerte auch, bis das so weit war. Gefolgt vom Mittagstief und generell häufiger Energielosigkeit. So glücklich ich auf Gran Canaria bin – seit ich hier bin, fühle ich mich körperlich so fit und voller Energie wie schon lange nicht mehr. Das fühlt sich gut an.

Darüber hinaus ist bei mir in den letzten Monaten Zeit in der Natur ein wenig zu kurz gekommen. Zugunsten anderer wichtiger, schöner Prioritäten, die ich nicht missen möchte, wo ich jetzt aber etwas mehr Balance reinbringen möchte.

Noch mehr haben regelmäßige Momente ohne Ablenkung gefehlt. Das muss nicht gleich eine ganze Woche sein wie anfangs hier. Aber hin und wieder ein Tag am Wochenende. Oder ein paar Stunden am Nachmittag nach der Arbeit. Einfach rausgehen an den Strand. Ein längerer Spaziergang. Internet aus. Vielleicht ein Buch oder Musik. Oder einfach: nichts, auch wenn mir das nach wie vor schwer fällt.

Überlegst du, nach Costa Rica zu reisen? Hier kommen meine persönlichen Empfehlungen

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